Sonntag, 20. August 2017

Die Krönung

Mehrmals hatte mich Bischof Kyrill eingeladen. Schließlich widerrief ich mein "kann nicht" und nahm heute an der Krönung der Marienfigur in Irkutsk teil. Es war die erste Krönung einer Mariendarstellung in Russland. Der Brauch beruht auf Verehrung und Zuneigung. Das war auch im Gottesdienst zu spüren. Es gab sehr emotionale Momente, wie zum Beispiel am Beginn, als wir an der sogenannten Kapelle der Versöhnung den "Engel des Herrn" beteten. Aus vielen GULAGs ist hier Erde zusammengetragen, um an die Leiden der unbekannten Märtyrer des 20. Jahrhunderts zu erinnern. In seinem Gebet sprach Bischof Kyrill vom Leid, das die Gottesmutter bei ihren Erscheinungen vor 100 Jahren in Fatima noch abwenden wollte. Die Krönung der Marienfigur nahm der Ortsbischof mit seinem Vorgänger in schwindelerregender Höhe gemeinsam vor. Die Krone für die Gottesmutter in Irkutsk war seinerzeit noch vom heiligen Johannes Paul II. gesegnet worden. Viele Pilger und Teilnehmer eines Kongresses waren gekommen, unter ihnen auch die Bischöfe aus Novosibirsk und Grogdno, der polnische Generalkonsul u.v.m. 

Samstag, 19. August 2017

Froh zu sein bedarf es wenig, ...

Nach einem lustigen Foto, bei dem aus dem Strohballen oben ein Kopf und rechts und links je ein Arm herausschauten, musste erstmal geputzt werden. Der spätsommerliche Spaziergang war eine Art Nachklang zu den Exerzitien vom 8.-10. August, die in den vorhergehenden Jahren jeweils mit einem Ausflug in die Natur geendet hatten. Nur war in diesem Jahr keine Zeit dafür gewesen, weil ich schon am 11. August früh morgens nach Alexejewka gefahren war. Zwei der fünf Teilnehmerinnen sind in Marx geblieben, wie man sieht.

Freitag, 18. August 2017

Auf der Durchreise

"Wenn alles gut geht, bin ich Sonntagabend in Astana", verabschiedete sich Schwester Theresia (hintere Reihe rechts) heute nach ihrem Aufenthalt in Marx, wo sie auf dem Rückweg aus Krasnodar, der südlichsten Niederlassung ihrer Ordensgemeinschaft, noch einmal Station gemacht hatte. Sie besucht derzeit ihre Schwestern, um die Situation in den einzelnen Häusern besser zu verstehen und später, wo nötig, die richtigen Entscheidungen treffen zu können. Im Gegensatz zu mir, macht Schwester Theresia all diese Reisen mit der Bahn, was nicht Stunden, sondern jeweils Tage in Anspruch nimmt, und Kräfte auch. Wir haben es jetzt Freitagnachmittag! Siehe: "Wenn alles gut geht, bin ich Sonntagabend in Astana."

Donnerstag, 17. August 2017

17. August

Danke den vielen, die meinen Geburtstag zum Anlaß für einen Gruß oder gar ein Gebet genommen hatten. Das außergewöhnlichste Geschenk war doch wohl die E-Mail-Nachricht aus der Apostolischen Nuntiatur, die das Treffen von Papst Franziskus mit uns vier katholischen Bischöfen aus Russland am 29. Januar 2018 im Vatikan bestätigte. An jenem Tag beginnt unser Ad-Limina-Besuch, auf den wir uns von nun ab vorbereiten müssen.

Mittwoch, 16. August 2017

102 Tage unterwegs

St. Gerhard, Heiligenstadt 
"Einen österlichen Gruß aus der Pfarrei St. Gerhard..." So beginnt der Brief des Heiligenstädter Pfarrers, den ich gerade geöffnet habe. Vermutlich wartet jener schon nicht mehr auf Antwort. Es ist 102 Tage her, dass er mir diesen Brief geschrieben hatte. Nun ist er angekommen. Und ich lese, dass in Heiligenstadt abermals für die Nöte in meinem Bistum gesammelt wurde. Herzlichen Dank ins Eichsfeld! Ich werde mich in den nächsten Tagen betreffs Verwendung bei Pfarrer Dräger melden. Wir kennen uns vom Studium in Erfurt her. Meine Antwort wird doch nicht 102 Tage unterwegs sein?
Dass gerade die Pfarrei Sankt Gerhard an mich denkt, hängt mit dem Wohnsitz meiner Eltern zusammen, an dem auch ich polizeilich gemeldet war. (Nennt man das noch so?) Das neben der Pfarrkirche befindliche Redemptoristenkloster, einziges seiner Art in der ehemaligen DDR, trägt den Namen St. Klemens. (Eben der ist auch mein Namenspatron: Clemens Maria Hofbauer, +1820.) 
Also, danke nochmals. Der Herr ist wahrhaft auferstanden! 

Urlaub

Vorerst war der Generalvikar an der Reihe. In vier Tagen kommt er bereits zurück. Pater Diogenes verbringt zurzeit ein paar sichtlich erholsame Tage bei einem Mitbruder aus seiner Ordensgemeinschaft, im Süden Frankreichs. Schon mehrmals hat er Urlaubsfotos geschickt, die mit ihrer Atmosphäre "provozieren", sprich: neidisch machen. Aber wir alle gönnen ihm die Erholung von Herzen. 
Für mich ist es nicht so gut, im Sommer Urlaub zu machen, was die Reisen im Bistum und die Gäste in Saratow bestätigen. Vieles kann jetzt mit dem Auto unternommen werden, wofür ich in anderen Jahreszeiten auf langsame Bahnfahrten oder teure Flüge angewiesen wäre. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Der November ist und bleibt so ziemlich frei in meinem Kalender... 

Dienstag, 15. August 2017

Ein sichtbarer Schritt auf dem Weg zur Priesterweihe

15. August - Mariä Himmelfahrt (oder richtiger: ... Aufnahme in den Himmel). Die Besonderheit des heutigen Festtages lag darin, dass ich unseren Seminaristen Denis in liturgischer Form als "Kandidat für die heiligen Weihen" annehmen konnte. Obwohl er noch einige Jahre bis dahin vor sich hat, war die Annahme ein sichtbarer Schritt auf dem Weg zur Diakonen- und Priesterweihe. Sowohl für ihn, als auch für uns als seine Gemeinde, sein Bistum, war das ein sichtbares Zeichen, das die Bitte um Gebet einschliesst. Eine ausgesprochen schöne Geste war es von den Pfarrern aus Taganrog (ca. 1.000 km) und Samara (365 km), dass sie aus diesem Anlaß nach Marx gekommen waren. Beide sind Diözesanpriester des Bistums Sankt Clemens. Denis wird eines Tages ihr Mitbruder im priesterlichen Dienst.

Montag, 14. August 2017

10 km Umweg bei insgesamt 850 ...

Auf dem Heimweg, der immer wieder von bis zum Horizont reichenden Sonnenblumenfeldern geschmückt war, machte ich mit allen Insassen einen Abstecher nach Rjazanovka. Das ist eins der Dörfer, die ich früher wöchentlich zur Katechese besuchte. Tante Almida, in deren Haus bis heute Unterricht und Gottesdienste stattfinden, bewirtete uns mit Tee und dankte sehr demütig und herzlich für den Besuch. Wie viele andere im Dorf, hat sie es nicht leicht in letzter Zeit, so hörte ich zwischen den Zeilen.

Sonntag, 13. August 2017

Patronatsfest Alexejewka - ohne viele Worte

Eine Pfarrgemeinde im Dorf, die wächst, das ist einmalig im Bistum Sankt Clemens. Ja, die meisten kommen von weit her, aber sie kommen! Die drei Kleinbusse der Pfarrei sind sonntagmorgens alle unterwegs. Hunderte Kilometer kommen da jedes Mal zusammen. Eigentlich müßten wir ein eigenes Projekt für Benzin in Alexejewka schreiben. Hier leben arme Menschen. 
In der Messe war es mehr als relativ laut, denn die Zahl der Kleinkinder drückte den Altersdurchschnitt der Gottesdienstteilnehmer auf um die 25 Jahre, höchstens! 
Ein Mittagessen im Freien (Plow) gehörte zum Programm genauso, wie das Theaterstück zum 2017 immer wiederkehrenden Thema "Fatima". 
Als dann alle wieder nach Hause gingen und fuhren, blieb noch ein wenig Zeit, mit denen, die zum ersten Mal in Alexejewka waren, die örtlichen Besonderheiten zu erkunden.