Donnerstag, 19. April 2018

Stille in Marx

Passend zur mir verschriebenen Ruhe, begleite ich heute den monatlichen geistlichen Einkehrtag der Schwestern im Marxer Kloster. Bei den Impulsen helfen mir die Lebensgeschichten der vier großen Frauen, die im 13. Jahrhundert im Kloster Helfta lebten. 700 Jahre - Ist da noch was drin für heute? Ich habe viel entdeckt und hoffe, es weitergeben zu können. 
In Marx tauen die letzten Schneeberge weg, trocknen die Pfützen aus, wächst das erste Gras nach dem Winter. Am Vormittag kam ich mehrmals mit Leuten ins Gespräch, die unsere Caritasstation auf dem Kirchengrundstück suchten. "Wir haben gehört, bei Ihnen kann man Gehhilfen ausleihen", war immer wieder der genannte Grund, auch wenn es um mehr ging. Ich freue mich, dass unser Pflegedienst mehr und mehr bekannt wird. Schließlich - weil ja Zeit war - wollte ich wieder einmal auf den Kirchturm klettern, der in diesen Wochen 25 Jahre alt wird. Ich inspizierte die beiden Glocken aus dem Jugendhaus Altbuchhorst bei Berlin, die unser Freund Norbert Laubstein damals (1993) gebracht hatte. Und ich machte - wie kann es anders sein - ein paar Fotos, wie dieses, in Richtung "Stadtzentrum" und Steilufer auf der anderen Wolgaseite. Marx hat - man möchte es nicht glauben - 31.788 Einwohner. "Ein großes Dorf", sagen die Leute hier manchmal. Und ich verstehe, warum.

Mittwoch, 18. April 2018

Caritas Kinderzentrum an der Wolga

Als ich zum Hoftor einschwenkte, lief ein Schulkind vor mir in gleicher Richtung. Das Mädchen hörte den Motor nicht, und ich wollte sie nicht erschrecken. Dann bemerkte sie mich doch, freute sich und begrüßte mich. Eine vom Kinderzentrum. Ich kenne leider nicht alle Namen. "Haben Sie ein Bonbon dabei", wollte sie wissen. "Du hast wohl noch nicht zu Mittag gegessen", fragte ich scherzend zurück. Das aber verging mir gleich, als ich genauer in das blasse Gesicht schaute und die müde Antwort "nein" hörte. "Komm, wir gehen schauen, was es im Pfarrhaus gibt", schlug ich vor. Kurz darauf fielen mir die vielen Verhaltensregeln ein, die nun schon beinahe in aller Welt zu beachten sind, wenn man man mit Kindern allein ist.
Später trafen wir uns im Kinderzentrum neben der Kirche wieder. Dort ist heute "Kontrolle". Schwester Maria aus Orenburg (Foto links oben) ist verantwortlich für das große und schöne Projekt aller Caritas-Kinderzentren im Bistum Sankt Clemens. Sie ist für ein paar Stunden gekommen, um nachzuschauen, Rat zu geben, Impulse mitzunehmen. 
Außer dem in Marx, liegen auch unsere Kinderzentren in Astrachan und Wolgograd "an der Wolga". Die anderen haben eher mit Bergen zu tun, mit dem Kaukasus und dem Ural.

Dienstag, 17. April 2018

Jetzt auch auf der Dresden-Meissner Homepage


Heute habe ich auf der Homepage des Bistums Dresden-Meissen den Hinweis auf unseren Besuch am 29. April gelesen. Denen, die mit der Bahn anreisen, habe ich mit einer Skizze per E-Mail versucht zu erklären, wo man lang gehen muss, wenn man in Stadt Wehlen aussteigt, um den - wenn mit Koffer, dann erst recht - mühsamen Anstieg zum Tagungsort in Naundorf zu finden. Der Abholdienst vom Flughafen ist weitgehend geklärt. Für eine große Gruppe (über 20 Personen) am 27.4. nachmittags suchen wir noch die günstigste Variante. Nicht wenige kommen mit dem Auto (2-4 Tage unterwegs.) Letzte Absprachen vor einer schönen Reise. 
Ich hoffe, dass alle "meine" Priester und Ordensleute durch die gemeinsamen Tage im Bistum Dresden-Meissen Kraft für ihren Dienst in Südrussland schöpfen können, durch das gemeinsame Gebet, durch die thematische Arbeit der Pastoralkonferenz, durch Freundschaft, durch die Natur, durch die Begegnungen am Sonntag in Dresden ... 
Seit meiner Bischofsweihe 1998 treffen wir uns jedes Jahr einmal. (Hier auf dem Foto, das war unsere Pastoralkonferenz vor 13 Jahren in Kazan, bei der wir u.a. sehr herzlich vom orthodoxen Erzbischof Anastasij empfangen wurden.) So ist das in diesem Jahr schon die 20. Pastoralkonferenz. 

Ein Monat

Heute vor einem Monat ist meine Mutter verstorben. Ich habe noch so gut wie niemandem schriftlich für die Anteilnahme in jenen Tagen gedankt. So viel ist seitdem schon wieder passiert. Es war eine Fülle von Güte und Mitgefühl, die sicher auch meine vier Geschwister an ihren Heimatorten und über ihre Kommunikationskanäle erreichte. Viele schrieben von Trauer. Ich darf sagen, auf eine Art ist es auch eine Zeit besonderer Freude. Gibt es doch so viel Grund zum Danken.

Montag, 16. April 2018

Krankenbesuch

Auf ihrer Tour durch Südrussland, machten Ottmar Steffan und seine drei Begleiterinnen aus Osnabrück Station in Marx und Saratow. Um Mitternacht geht ihr Zug nach Kazan. Weil ich morgen nach Astrachan muss und heute nichts riskieren wollte, blieb ich zu Hause. Außerprogrammmäßig besuchte mich Ottmar trotzdem, während die anderen jetzt am Abend irgendwo an der Wolga spazieren gehen. Wir besprachen alle unsere Bistumspartnerschaft betreffenden Neuigkeiten in kompakter Form. In knapp zwei Wochen sehen wir uns wieder, nämlich in Dresden.

Auch in der Saratower Pfarrgemeinde sind einige darauf aufmerksam geworden, dass ich mich unter den derzeitigen Grippepatienten befinden. Große Honiggläser, eingefrohrene Moosbeeren, gezuckerte Himbeeren, verschiedenste Rezepte und die "Mahnung" zur Bettruhe gingen ein. Tatsächlich muss ich weiter als je einen Tag voraus denken, was nun zur Absage zwei weiterer Pastoralreisen in Pfarrgemeinden führt. 

Sonntag, 15. April 2018

Der Dresden-Count-Down läuft

Heute in zwei Wochen wollen wir in Dresden sein, siehe "Wir kommen ..." Manche verbinden die Tage vorher mit ihrem Urlaub zu Hause, so z.B. Pfarrer Bosco Marschner aus der Oberlausitz, oder auch Alberta aus Südtirol. Sie besucht gerade ihren über 90-jährigen Vater in den Bergen und schickte mir dieses Urlaubsfoto von zu Hause. Extremer geht es nicht, dachte ich mir dabei: Eine Frau aus den wunderschönen Dolomiten lebt schon mehr als 20 Jahre bei uns in Südrussland und sorgt sich mütterlich um behinderte Menschen in der Steppe Kalmykiens, wo es auf Hunderten von Kilometern keinen einzigen nennenserten Hügel gibt. 
Aufmerksame Beobachter werden feststellen, dass mir die Grippe einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Ich habe dem Pfarrer in Togliatti die Firmvollmacht übertragen und bin an diesem Wochenende nirgends hin gereist.

Freitag, 13. April 2018

Wochenende ist Wochenanfang


Ich habe mich mit den Pfarrern besprochen und das Programm ein wenig verkürzt. Der Stop in Syzran ist vorerst verschoben. Morgen Abend in Togliatti sind zwei Taufen geplant, und Sonntag warten ebenda 17 junge und ältere Erwachsene auf das Sakrament der Firmung. 
In Marx wird morgen Mittag eine vierköpfige Delegation aus dem Partnerbistum Osnabrück erwartet, deren Besuch ganz im Zeichen der Caritas steht. Wenn alles gut geht, sehe ich sie noch vor deren Abreise Montag Mittag.

miteinander

Das Katholische Auslandssekretariat der Deutschen Bischofskonferenz gibt eine Zeitschrift heraus. Heft 1/2018 von "miteinander" erschien im März und kam heute, am 13. April, nach Marx. Auf Seite 6 fand ich diese Erinnerung an den vergangenen Christkönigssonntag in Moskau. Ich denke, die Seite ist so gescannt, dass man den Text nach Anklicken der Abbildung lesen kann.

Heute muss ich entscheiden, ob mein Besuch in der Pfarrgemeinde Syzran - morgen um 14.00 Uhr - und die Firmung in Togliatti - übermorgen, aktuell sind. Es geht um weite Autofahrten und einen Rest von Grippe. Absagen ist schwer.

Mitte nächster Woche bin ich in Astrachan, und am darauf folgenden Wochenende in Belgorod. Ein paar Tausend Kilometer, noch vor der Pastoralkonferenz im Bistum Dresden-Meissen, Ende des Monats. Die Termine drücken ein wenig. - Wenn man sagen könnte: "Für den Frieden", würde ich die Strecken zweimal abfahren.

Donnerstag, 12. April 2018

Marxer Grippe-Woche


In Deutschland haben das viele schon hinter sich, deshalb bedarf es kaum großer Erklärungen: Auch nach drei Tagen (Bett-)Ruhe in Marx ist nicht sicher, ob ich Morgen endlich wieder zur Arbeit nach Saratow fahren kann. Heute Abend ging dort in Saratow der dreitägige Kurs über das "ausgebrannt Sein" zu Ende. Mindestens 5 Teilnehmer hat der Grippevirus in dieser Zeit auch da in seinen Griff genommen. Wie die nun wohl nach Hause kommen? "Wir haben jetzt ein ganzes Lazarett in der Wohnung", sagte mir eine unserer Schwestern gerade am Telefon.