Mittwoch, 28. Juni 2017

100 Jahre (2 x 50)



Ein heftiges Gewitter donnerte heute Nacht den Doppelgeburtstag ein: Zwei Seelsorger im Bistum Sankt Clemens werden heute 50! Pater Raul aus Argentinien lebt schon 20 Jahre hier. Pater Bosco aus Deutschland seit 2015. Gegenseitig zum Geburtstag gratulieren, können sie sich höchstens telefonisch, denn der eine ist Pfarrer am Asowschen Meer, der andere an der mittleren Wolga. Der Routenplaner zeigt 989 km zwischen beiden Städten an. 

HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH! GOTTES SEGEN! Und DANKE DEN BEIDEN!

Dienstag, 27. Juni 2017

Immerwährende Hilfe

Es war im September 1999, da bekam die Flüchtlingsgemeinde in Stepnoje ihre eigene Kirche. Das Dorf mit 10 Häusern hatte 84 neue Wohneinheiten (Häuser und Doppelhäuser) dazubekommen, als Mitte der 90-er eine große Zahl Deutschstämmiger aus Tadschikistan und Usbekistan wegen Bürgerkriegen in der Heimat zuwanderten. Sie hofften auf einen neuen Anfang in der ehemaligen Region der Wolgadeutschen. Leider liegt der Ort fast 50 km von der Wolga entfernt, in der Steppe. Bis heute ist es sehr schwer geblieben, dort zu leben. 
Es war eine der ersten Kirchen, die ich weihte. Ihr Patronat ist das der "Muttergottes von der immerwährenden Hilfe", einer Marienikone, die sich seit dem 15. Jahrhundert in Rom befindet. Heute ist ihr Fest.
Das möge auch ein Grund sein, wieder einmal auf die Live-Übertragungen aus Lourdes hinzuweisen, zu denen man stets auch über die linke Blogspalte unter "Mit Empfehlung" gelangen kann: https://www.lourdes-france.org/de/tv-lourdes 

Montag, 26. Juni 2017

Ein Foto fürs Archiv

P. Michal (rechts) verläßt morgen vormittag Saratow, um die Pfarrei in Novoczerkassk zu übernehmen, von wo aus auch Schachty und Wolgodonsk zu betreuen sind. So, wie ich ihm dankbar für die Jahre in Saratow bin, freue ich mich über seine Bereitschaft, (auf Deutsch klingt es sehr einfach) die Stelle zu wechseln. In Russland als katholischer, ausländischer Priester nach Jahren nochmal neu anzufangen, kostet Überwindung, Energie und Glaubenskraft. Heute abend haben wir uns in der Wohnung des Generalvikars von ihm verabschiedet. 

Sonntag, 25. Juni 2017

Kirchweihfest und Kindergeburtstag

Auf den Tag genau, war es heute der 11. Jahrestag der Kirchenweihe in Orsk. Am Morgen regnete es stark. Schon das kann der Grund dafür gewesen sein, daß weniger Gläubige als erwartet zur Kirche kamen. In solchen Momenten spürt man die fehlenden Wurzeln unserer jungen Gemeinden. Weil "11 Jahre" eher an einen Kindergeburtstag erinnert, als an einen kirchlichen Festtag, begann ich auch die Predigt mit der Erinnerung, wie mein Onkel mir zum Geburtstag mit einem Geschenk in der Hand gratulierte, vorab aber eine kleine Rede loswerden wollte, die mich weit weniger interessierte als die Frage, was da in der halb versteckten Schachtel sei. - Was haben wir der Kirche (heute) mitgebracht? Oder erwarten wir nur, dass sie uns etwas geben muss? - Im Anschluss an den Gottesdienst gab's Plow (Reis mit Fleisch und Gemüse in einem riesigen Kessel zubereitet) im "Städtchen der Barmherzigkeit". So nennt sich das Wiesengrundstück neben der Kirche, auf dem nächste Woche eine Familienfreizeit in Zelten beginnt.


Ein Foto vom Weg zwischen Orsk und Orenburg: Man sagt, dieses Gebäude am Straßenrand sei keine Kirche gewesen. Was denn sonst? Würde mich ja interessieren. Keiner im Ort weiß es.

Samstag, 24. Juni 2017

Orsker Samstag

Das Hochfest der Geburt Johannes des Täufers überdeckte heute das (liturgisch) kleinere Fest des Unbefleckten Herzens Mariens. (Ich weiß schon, viele können mit so scheinbar altmodischen Formulierungen nichts anfangen.) 
Nachdem ich am Vormittag dringende Post erledigt hatte, die auch während des Aufenthalts in Orsk keinen Aufschub duldete, durfte ich mir etwas für die Zeit vor dem Mittagessen wünschen. Wir machten einen Ausflug nach Asien, was hier nicht weit ist. 
Nach der Abendmesse ging's so richtig los: Von Zeit zu Zeit lädt die Pfarrei Kinder und deren Eltern aus der Umgebung der Kirche ein, sozusagen die Nachbarn. Dann wird gespielt, und es gibt Preise. Eine angenehme Atmosphäre! Kranke Kinder fielen mir auf, was nicht zuletzt damit zusammenhängen wird, dass die Ordensschwestern der Pfarrei beispielhaft mit Kindern arbeiten, die an Autismus leiden.

Freitag, 23. Juni 2017

1039 km Asphalt in 12 Stunden

Abfahrt: 4.30 Uhr, Marx, Ankunft 17.30 Uhr (Ortszeit), Orsk. Ich selbst hatte nicht erwartet, so gut auf unseren Landstraßen vorwärts zukommen. Die Abendmesse feierten wir bei den Schwestern in der Kapelle, weil deren Niederlassung in Orsk dem Heiligsten Herzen Jesu geweiht ist. Keiner hatte erwartet, dass ich zur Messe schon da bin. Dennoch waren auch viele aus der Pfarrgemeinde gekommen.
Kurzkommentar zu den Bildern, erst linke Seite von oben nach unten, dann rechte Seite. 1) Abfahrt Marx bei Sonnenaufgang, 2) Balakowo, nach den ersten 100 km, 3) vormittag, 4) am Fluß Ural: hüben Europa, drüben Asien, 5) in Richtung Osten wird die Vegetation immer ärmer, Steppe, 6) Kühe waren nicht die einzigen Tiere, denen ich heute auf der Straße begegnete. 7) Pfarrkirche Orsk, nach dem Abend mit der Gemeinde.

Jesus mitnehmen

Gestern gedachten unsere Missionsklarissen in Saratow ihrer Gründerin, der seligen Maria Ines Teresa vom Allerheiligsten Sakrament. Kurz nach dem 2. Weltkrieg bekam die Mexikanerin von ihrem Orden die Erlaubnis, ihr kontemplatives Kloster zu verlassen, um eine missionarischen Gemeinschaft zu gründen. Relativ schnell bekam die neue Ordensgemeinschaft die päpstliche Anerkennung, damals noch von Pius XII. Interessant ist der Zusatz beim Namen der Kongregation "Missionsklarissen vom Allerheiligsten Sakrament". Mit dem Schritt in die Welt haben die Schwestern Christus nicht verlassen, sondern "mitgenommen".
Diesen Eintrag habe ich gestern schon geschrieben und so programmiert, dass er am Freitag erscheint. Beinahe den ganzen Tag über sitze ich im Auto auf dem Weg in den Ostzipfel des Bistums zum Patronatsfest nach Orsk. Den Gebetstag um Heiligkeit der Priester verbringe ich demzufolge in Stille. 

Donnerstag, 22. Juni 2017

Vor dem Stadion

Der eine oder andere wird sich noch an unsere beiden Missionare der Barmherzigkeit erinnern, die Papst Franziskus im vergangenen Heiligen Jahr für Russland ernannt hatte: Pater Janusz (Pole) und Pater Diogenes (Argentinier). Womit sich die beiden sonst noch befassen, zeigt das eben gemachte Foto aus Kazan (Bistum Sankt Clemens). Gleich werden sie das Fußballspiel Deutschland gegen Chile hautnah miterleben. Mir haben sie versprochen, dass sie für Deutschland fiebern werden. Na dann...! 

Kurzes Verweilen


Der längste Tag des Jahres wurde uns gestern durch ein "himmlisches Schauspiel" ein wenig verkürzt. Nun werden die Tage wieder kürzer. Und ich spüre es von Anfang an. Die Termine für heute haben sich zur Treibjagd verabredet. Und "sich verstecken" hat keinen Sinn, wenn man am Abend Sieger bleiben will. (-: