Donnerstag, 14. Dezember 2017

Zwölf Uhr mittags

... war ich wieder zu Hause, statt gestern Nachmittag. Von sechs verspäteten Flügen waren keine 150 Passagiere geblieben, die nicht auf Bahn oder Fernbus umgestiegen waren. Den Rest des Tages brauche ich nun wohl zum Auskurieren. Aber wann treffe ich schon wieder mal die Nachfolgerin von Mutter Theresa aus Kalkutta!? 
Heute steht der heilige Johannes vom Kreuz im Kalender, ein guter Freund der großen Teresa von Avila. Seine geistlichen Bücher zählen zur Weltliteratur (und zum Schatz so mancher, die sich ernsthaft auf den Weg gemacht haben).

Mittwoch, 13. Dezember 2017

Eigentlich wollte ich längst wieder zu Hause sein.

Damit das Wort "Nebel" nicht zum Wort des Monats im Blog wird, will ich mich nicht lange dabei aufhalten, dass sich meine gestrige Befürchtung bewahrheitet. Es gibt Probleme mit meinem Rückflug nach Saratow. 
Das Treffen mit Schwester Prema, der Generaloberin der Missionarinnen der Nächstenliebe, fand heute Morgen nach einer heiligen Messe in jener Kapelle statt, in der sich 1991 alle Schwestern nach dem Evangelium auf den Boden setzten, in Erwartung einer Predigt. Und die Predigt sollte in Englisch sein! (Ich hab's überlebt, aber erinnere mich lebhaft an den Schreck hinterm Ambo.) Natürlich habe ich mich über die heutige Begegnung in Moskau gefreut, auch über die mit vielen Schwestern der Gemeinschaft von Mutter Theresa, die ich mittlerweile hier in Russland kennengelernt habe. 
Die Wartezeit am Flughafen versuche ich vorerst mit Lesen zu überbrücken. Ich bekenne: Dafür habe ich das mobile Internet an meinem Tablet zugeschaltet, was ich ja eigentlich bis Weihnachten nicht vorhatte. (Dem Sinn des Vorsatzes wird es nicht schaden.) Unter den katholischen Nachrichten aus Sibirien fand ich eine Meldung über das Anfang Dezember stattgefundene Treffen der Sekretäre und Ökonome aus den Zentren der vier Diözesen in Russland. (Fotos von da.) Im Frühjahr 2018 wollen sie sich schon wieder treffen. Das wird dann häufiger als unsere Bischofskonferenz sich trifft. (Schauen wir mal, wer die Tickets bezahlen soll. :-)
Morgen soll(te?) ich nach Plan den monatlichen Besinnungstag für die Schwestern in Marx halten. Und außerdem ist es der letzte Tag, bevor Pater Diogenes, mein Generalvikar, für einen Monat in den Urlaub zu seinen Verwandten nach Argentinien fliegt. Er ist also doch ein bißchen unpassend, der Nebel in Saratow. Mit dem Zug fahren? Der kommt morgen,  nach 16.00 Uhr in Saratow an. Was ich in der Zeit so lese? Unter anderem, das hier. 

Dienstag, 12. Dezember 2017

Guadalupe - Saratow - Kalkutta

Die Webcamera in der Nähe der Start- und Landebahn des Saratower Flughafens zeigt, warum die Maschinen schon wieder einmal in Moskau stehen und nicht zurückfliegen können. Ich hatte Glück und kam noch fort, bevor sich in Saratow alles zuzog. (Nur was wird morgen, wenn ich zurück muß?)
Heute war ein großes Fest für unsere Schwestern aus Mexiko. Die Gottesmutter von Guadalupe wurde gefeiert. Den größten Marienwallfahrtsort, an der Peripherie von Mexiko-Stadt, besuchen jährlich ca. 20.000.000 Pilger. Das ist, glaube ich, fünfmal so viel wie in Fatima. Zur feierlichen Abendmesse in Saratow war ich schon nicht mehr anwesend. Mein Flug ging 18.30 Uhr. Darum übernahm Pater Diogenes die Pfarreinführung von Pater Ondrej, der ab heute offiziell mit der Seelsorge für unsere Saratower Katholiken betraut ist. Gestern war eine Einladung zum heutigen Tag der Verfassung gekommen, zu einer Veranstaltung beim Gouverneur. Auch das erledigte der Generalvikar, denn ich selbst hatte zwei wichtige (und sehr verschiedene) Gespräche mit Priestern auf der Tagesordnung, die von weit her zu mir gekommen waren, nämlich aus Ufa und aus Wolgodonsk. Für ein "Tages-Foto" blieb keine Zeit.
Zurück nach Moskau. Morgen vormittag habe ich mich mit der Generaloberin der Missionarinnen der Nächstenliebe (besser bekannt als Schwestern von Mutter Theresa) verabredet. Mithilfe eines unheimlich intensiven Reiseprogramms besucht Schwester Prema derzeit ihre Schwestern in den Regionen der ehemaligen UdSSR. Sie ist erst die zweite Nachfolgerin von Mutter Theresa und ... sie ist Deutsche, aus Westfalen. Wir treffen uns hauptsächlich deshalb, weil die Ordensgemeinschaft auch eine Niederlassung im Bistum Sankt Clemens hat, nämlich in Nalchik. 

Montag, 11. Dezember 2017

Ganz eigen

Das Foto ist schon zwei Tage alt, und das Objekt, das es abbildet, schon über 60 Jahre. "Tu autem sequere me" steht auf der Tabernakeltür geschrieben, die allen ehemaligen Norbertinern bekannt ist. Norbertiner sind jene, die das kirchliche Abitur im sogenannten Spätberufenenseminar in Magdeburg gemacht hatten, bevor sie zum Theologiestudium nach Erfurt gingen. Das Seminar gibt es nicht mehr. Der Tabernakel wurde mir vom letzten Rektor, Dieter Müller, geschenkt. Die deutsche Übersetzung des lateinischen Zitats lautet: "Du aber folge mir!" (Joh 21,20) Das war die Antwort des auferstandenen Jesus an Petrus, als der wissen wollte, was denn aus dem Apostel Johannes werden würde. "Das ist nicht deine Sache. Du aber folge mir." Während des vergangenen Wochenendes in Stille, standen mir diese Worte im wahrsten Sinne des Wortes lange vor Augen: "Du aber". Jeder hat seine eigene Berufung, ganz passend, nicht unbedingt zu den anderen, aber zu sich selbst ganz sicher. 
Der Nebel hatte sich heute am Mittag gelichtet, so dass eine Schar von Passagieren, die nicht auf die Bahn (16 Stunden Fahrt) umgestiegen waren, in Sammelflügen aus Moskau nach Saratow gebracht wurde. Auch Pater Tomasz, einstiger Pfarrer in Marx, heute in Ufa, war darunter. Unser Gesprächsthema: Die Ausbildung der Kandidaten zum ständigen Diakonat. 

Ökumene - schöner als normal


Am Rande der "Pimenschen Vorlesungen" kam es am Wochenende zu herzlichen Begegnungen zwischen unseren Teilnehmern und der Leitung der orthodoxen Diözesen im Gebiet Saratow. Meine Mitarbeiter erzählen gerührt bis begeistert davon. Zu Ehren des 1993 verstorbenen Bischofs Pimen, der sein Amt in Saratow von 1965 bis zum Tod 1993 ausübte, werden seit 2003 Vorlesungen organisiert, die sich mit Fragen der Bildung und Erziehung beschäftigen. Zum diesjährigen Programm gehörte auch das gestrige Konzert im Saratower Konservatorium, zu dem Bischof Longin eigens noch einmal unseren Generalvikar und die Schwestern eingeladen hatte. Ich hatte Bischof Pimen noch persönlich kennengelernt, als ich 1991 meinen Dienst in Marx begann. Ich erinnere mich an sein einfaches Holzhaus, in dem er wohnte, an die vielen Bücher und an einen bescheidenen, aufmerksamen, alten Bischof. (Fotos: Saratower Eparchii und Sr. Anastasia)

Vom Schweigen und Reden

Auch wenn es nur knapp drei Tage waren, schaue ich dankbar auf diese stille Zeit in unserem Haus Gethsemani (von den meisten kurz "Wüste" genannt) zurück. Papst Franziskus hatte neulich irgendwo, vielleicht in einer Morgenmesse, darauf hingewiesen, dass in der Kirche zu viel geredet wird. (Ich habe die Predigt nicht gehört, kann mir aber vorstellen, dass anschließend kam: es müsse stattdessen mehr getan werden. Oder - und das würde dem Sinn des Advents entsprechen: Auch Schweigen ist manchmal nicht nur nützlich, sondern nötig. Ein plausibler Grund dafür, hier Schluss für heute zu machen. Die neue Woche wird intensiv, was das Reden betrifft. 

Freitag, 8. Dezember 2017

Momente im Advent

Gestern habe ich wegen meines mit Jugendlichen abgesprochenen Vorsatzes, bis Weihnachten ohne mobiles Internet zu bleiben, eine Skype-Konferenz unserer Bischofskonferenz verpasst! Mir wurde es kalt und heiß zugleich, als ich das spät abends entdeckte, als ich nochmal kurz ins Büro musste. Ich kann nur hoffen, dass mir der Advent und der "großartige" Vorsatz noch zur Anerkennung mildernder Umstände verhelfen.

Bei den Autofahrten dieser Tage ist mir aufgefallen, wie gut sogenannte Stoßgebete - ganz kurze Sätze oder Wortverbindungen - helfen, Advent zu erleben. Die einzige Sache, auf die man achten muss ist, dass man nicht Roboter spielt, sondern Mensch dabei ist; mit anderen Worten, dass das Herz mitspricht, wenn man sich - wie auch immer - an Gott wendet.

Danke ans Georg-Matulaitis-Haus für das Foto. Wie man Pelmini macht (mit Fleisch gefüllte Teigtaschen), lernt man da ganz nebenbei. Und wie sie schmecken, ... davon habe ich mich vorgestern Abend überzeugen dürfen. 

Ich melde mich Montag wieder, denn unser "Haus der Stille" gehört mir für das ganze Wochenende.

Donnerstag, 7. Dezember 2017

Georg-Matulaitis-Haus

Haus- und Wohnungssegnungen sind üblich beim Einzug der Bewohner, aber auch jährlich am (oder kurz nach dem) Dreikönigsfest. Gestern vor genau 10 Jahren durfte ich einen Neubau segnen, den wir nach dem Gründer unserer Schwesterngemeinschaft in Marx benannten: das Georg-Matulaitis-Haus. Hier ist Platz für junge Mädchen, die dort wo sie herkommen, in der Regel keine Möglichkeit zur Berufsausbildung hatten. Außerdem beherbergt das Gebäude seit ein paar Jahren ein Kinderzentrum der Caritas. Marx ist zwar nur eine russische Kleinstadt, die immer noch irgendwie im hundertjährigen Dornröschenschlaf liegt, aber Möglichkeiten etwas zu lernen oder gar zu studieren gibt es schon. Gestern Abend begingen wir mit großer Dankbarkeit den 10. Jahrestag der Einweihung des Hauses. Es fielen Namen wie der des Ehepaares Skowronnek und der Münsterschen Dr. Heinrich Linnenbrink Stiftung, die der Tanten Valentina und Polina, die von Norbert Laubstein und Ottmar Steffan, die Namen vieler Schwestern, besonders Schwester Marina ... All das sagt dem Leser sicher wenig. Für manche junge Frauen jedoch, hier bei uns, verbirgt sich dahinter der Anfang einer Perspektive fürs Leben. 

Dienstag, 5. Dezember 2017

Mit Vitaminen durch den russischen Winter

Markthalle Saratow 1915
Der Hausmeister unserer Pfarrei liegt mit Fieber im Bett. Es ist Zeit für Erkältungen, Grippe und dergleichen. Ich versuche, dem mit Vitaminen und einem täglichen Spaziergang (Foto) zu entgehen. Im letzten Winter war das ein gutes Rezept. Wahrscheinlich werde ich auch Weihnachtsspenden (falls welche kommen) eher in Vitamine als in Schokolade umsetzen, bevor ich sie weiterreiche, besondern auf dem Land. Jetzt Pakete zu schicken, hat kaum noch Sinn. 4 Wochen sind sie mindestens unterwegs. Und da ist Neujahr - arbeitsfrei, auch bei der Post, bis 8. Januar, womit dann - seit es weltweite Internet-Läden gibt - auch der Kollaps in den Zollämtern und Poststellen vorprogrammiert ist.
Heute Abend bekomme ich Kurzbesuch von einem Priester aus dem Bistum, der zweimal 23 Stunden im Zug unterwegs ist, nur wegen eines Gesprächs mit mir. Kurz nach Mitternacht bringe ich ihn bereits wieder zum Bahnhof. Ob ich wohl unterwegs den heiligen Nikolaus treffen werde? Beim heutigen Mittagessen in der Pfarrei stellte ich fest, dass unsere "sooo wichtige Tradition" des Schuheputzens und der nächtlichen Geschenke hier vielen gar nicht bekannt ist. Manchmal ist unser deutscher Horizont doch eben nur einer.