Freitag, 25. Mai 2018

Wieder mal unterwegs

Natürlich möchte ich meine Zeit heute denen widmen, die ich für ein paar Stunden in Krasnodar treffe, Pater Sergej, dem einzigen armenischen Priester im Bistum Sankt Clemens, Pater Marcin aus Taganrog, der es ausnutzt, dass ich in der Nähe bin. (Taganrog-Krasnodar, das sind so etwa 300 km.) Und die beiden Schwestern Rosa und Amas möchte ich besuchen. Früh 6.10 Uhr geht's weiter mit der Bahn. Darum schreibe ich meinen heutigen Eintrag vorsichtshalber schon mal jetzt, am Morgen in Moskau. Bis hier her war ich mit Monsignore Stieckewicz geflogen. Er kehrt heute nach Minsk zurück, nachdem er uns in verschiedenen bautechnischen Fragen gut beraten hat. In Weißrussland gibt es schon lange keine Yak-42 mehr. So war der Flug ein kleines Abenteuer für ihn, zusätzlich auch noch wegen der unfreundlichen Dame, die ihm seinen Fensterplatz weggenommen hatte und dadurch "verurteilte" sich auf den mittleren Sessel zwischen A und C zu zwängen. 
Gestern abend nach der Messe in Saratow habe ich ein Foto der Altarwand aufgenommen, dass zeigt, wie täglich mehr Farbe ins Bild kommt.

Donnerstag, 24. Mai 2018

Kurzstrecke vor der nächsten "richtigen" Reise

KB - nicht Kilobyte, sondern "Klosterbauer"
Heute wäre mein Vater 87 geworden, wenn er noch in den engen Grenzen unseres irdischen Lebens stecken würde. In Marx hat es beim zweiten Anlauf zur Meldestelle geklappt. 4 Minuten, und die Sache (s. gestern) war erledigt. Aber nicht nur dafür hatte ich die 120 km im Auto auf mich genommen. Unter anderem wollte ich schauen, wie es unseren Freunden aus Osnabrück und Kamenz geht, die ihre Freizeit opfern, um uns handwerklich weiterzuhelfen, wo es schon längere Zeit nötig geworden war. - Ganz umsonst tun sie das. Bei heute bis zu 36 Grad im Schatten, müssen sie schon vorsichtig sein, wenn es um Arbeiten im Freien geht. Den Namen "Klosterbauer" haben sie sich vor 17 Jahren hier in Marx eingehandelt.
Längst zurück in Saratow, habe ich letzte Vorbereitungen für die nächste Firmreise zu treffen. Morgen früh geht es mit einer Yak-42 nach Moskau, dann nach Krasnodar. Von da übermorgen früh zeitig mit der S-Bahn im Berufsverkehr nach Tuapse ans Schwarze Meer. Ich besuche die Gemeinden in Lazarewskoje (Samstag) und Tuapse (Sonntag). Für die Autofahrt über die Serpentinen nach Lazarewskoje, die ich (leider) nicht selbst am Steuer verbringen werde, hole ich mir heute noch Tabletten gegen Übelkeit. Da hat sich bei mir zwischen Kindergarten-Alter und heute nichts geändert. 

Mittwoch, 23. Mai 2018

Kurzer Eintrag zu einem langen Tag

Mons. Stieckewicz aus Minsk ist bei mir zu Besuch. Noch gestern, spät abends sprachen wir über seine Eindrücke vom - und Ideen zum Kirchenneubau in Uljanowsk. Heute vormittag hatten wir unser Gespräch beim Marxer Bürgermeister, kurz und bündig. Gut, dass mich der baukundige Prälat und Oksana, unsere Caritasdirektorin begleiteten. Dann schauten wir uns die seit einem Jahr leer stehende Berufsschule an. (Foto links.) Zu groß für meinen Traum vom Altersheim! Zwar haben wir noch keine Dokumente gesehen, aber ich schätze, dass es mehr als 4.000 Quadratmeter sind, die da der Sanierung und des Umbaus bedürfen. Schade! Das schöne, große Grundstück liegt ganz in der Nähe unserer Kirche.

In Saratow wollten wir uns dann gleich an die zweite Sache machen: Wir brauchen da Rat bei Reparaturarbeiten an der Kathedrale. Das Flachdach macht wieder mal Probleme. In der Kirche erzählte Pater Ondrej, unser Pfarrer, gerade einer Schulklasse etwas über Religion, Jesus Christus und Kirchen. Das gibt es oft, dass Lehrer anfragen und mit Kindern kommen. (Foto rechts.) Die Kirche war halb voll.

Später am Abend, als sich die Luft auf 23 Grad abgekühlt hatte, lud ich unseren Gast und Pater Diogenes, der gerade von einer 1.000-km-Strecke aus Ufa zurückgekommen war, nach dem Essen zu einem Spaziergang hoch über der Stadt ein (Foto unten).

Den Besuch in Marx wollte ich heute auch nutzen, um mich bei der Polizei zu melden, wie das Ausländer einmal im Jahr tun müssen. Dort stand ich in der Warteschlange vor einer verschlossenen Stahltür in einem Latex-gestrichenen Treppenhaus an, bis einer nach dem anderen fort ging. Die machten heute nicht auf. Keiner von uns, die da standen, wußte warum.


Dienstag, 22. Mai 2018

Wieder auf Arbeit (sprich: im Büro)

Ein Pfingstbild aus der heutigen Post, genauer gesagt, eine Aufnahme, die am Pfingstsonntag in der Dorfkirche von Blagoveshenka (Kabardino-Balkarische Republik) entstand. Die meisten heutigen E-Mails waren natürlich nicht illustriert, zeugten aber selbst dann davon, dass es in den letzten Tagen recht lebendig im Bistum zuging. Nachdem ich heute Morgen die Prämonstratenserinnen aus Wolgograd verabschiedet habe, warte ich nun am Abend auf die nächsten Gäste, die gegen 21.00 Uhr aus Richtung Uljanovsk hier ankommen werden. Mons. Steckewicz, der in Moskau für den Bau der Kurie hinter der Kathedrale verantwortlich war und jetzt in Minsk lebt, kommt mich besuchen, um die Frage nach einem Altersheim in Marx ein wenig vorwärts zu bringen. Morgen um 11.00 Uhr haben wir ein Treffen mit dem Bürgermeister.
Kurz noch für jene, die sich für den Fortschritt in der Gestaltung unserer Kathedrale interessieren. Der neue Ambo (Lesepult) steht schon an seinem Platz. Die Altarwand nimmt mehr und mehr Farbe an. Was noch ganz fehlt, ist die neue Bestuhlung und die zwei großen Figuren der Schutzpatrone der Kathedrale: Petrus und Paulus. Zur Altarweihe am 29. Juni melden sich schon die ersten Pilger aus dem Bistum an. Am nächsten Sonntag sammeln wir im ganzen Bistum für die Gestaltung der Kirche, die man auch das Herz einer Diözese nennt... 

Montag, 21. Mai 2018

Vor dem Rückflug - am Flughafen Mineralnye Vody

Gestern war es nach dem langen, schönen Tag voller Freude zu spät für einen Text im Blog. Heute ist es auf andere Weise zu spät, Rückschau zu halten. Der Kalender für die neue Woche ist unbarmherzig, auch wenn ich mich auf verschiedene Begegnungen freue: Heute Abend kommen Gäste aus Osnabrück und Kamenz nach Marx. Zu mir nach Saratow kommen zwei Schwestern aus dem Bistum zu Besuch. Meine jährliche Meldung bei der Migrationsbehörde ist Dienstag fällig. Mittwoch und Donnerstag kommt ein Prälat aus Weißrussland, der mir helfen soll, die Bausubstanz eines Gebäudes zu prüfen, das eventuell "unser" Altersheim werden könnte. Auch habe ich da den Termin beim Bürgermeister in Marx. Freitag geht's über Krasnodar ans Schwarze Meer, zum nächsten Firmwochenende.
Es waren sonnige Tage im Kaukasus, im doppelten Sinne. Die Oblatenpatres sind "strenger", als es ihre Vorgänger waren. Aber die Unruhe in den Gemeinden ist der Dankbarkeit gewichen. Die Freundschaft zu ihren Seelsorgern spürt man den Gläubigen an wie eh' und je.
Foto: Einige der gestrigen 10 Firmlinge nach dem Gottesdienst in Novopavlovsk. 

Samstag, 19. Mai 2018

Besuch in Kislovodsk - St. Theresia

Für heute war ein Besuch der Gemeinde St. Theresia in Kislovodsk vorgesehen, etwa 40 km von Pyatigorsk. Dort treffen sich unsere katholischen Christen im Haus einer frommen Frau, die den größten Raum, eine umgebaute Garage, als Kapelle zur Verfügung gestellt hat. Dort gibt es sogar einen Tabernakel. Unterwegs bog Pater Pawel ins orthodoxe Sankt-Georgs-Kloster ab, dessen Umgebung einen überaus gepflegten Eindruck machte, und das scheinbar von vielen Pilgern und Touristen besucht wird. Wir hatten viel Zeit für die Leute, die im wegen seiner Quellen berühmten Kurort Kislovodsk zur Messe gekommen waren. Fast alle sind Armenier. Mit Rosen und einer Torte gratulierten sie mir zum bevorstehenden 30-jährigen Jahrestag meiner Priesterweihe. Zwar ist es bis da noch über einen Monat hin, aber wenn man einbezieht, dass ich das letzte Mal vor drei Jahren in Kislovodsk war,...

Geist-reiche Pfingsten allen Bloglesern!

Freitag, 18. Mai 2018

Über Moskau im Norden nach Pyatigorsk im Süden

Das ist der übliche Weg, wenn ich in eine unserer Gemeinden fliege: erst nach Moskau, und von da dann dorthin, wohin ich eigentlich will. Vielleicht war es heute morgen schon das letzte Mal, dass ich in einer Saratower Yak-42 flog. Per E-Mail kamen tagsüber jedenfalls panische Nachrichten darüber, dass die Fluggesellschaft auch schon vor dem voraussichtlichen Schliessungsdatum Ende Mai Probleme haben könnte, alle Verpflichtungen zu erfüllen. In Moskau war so viel Zeit beim Umsteigen, dass ich alle heutige Post beantworten konnte, die am Morgen schon im (E-Mail) Postfach war. Weiter ging es kurz vor zwölf mit einer supermodernen Maschine in den Kaukasus, was aber nicht heißt, dass wir um die fast zweistündigen Turbulenzen in der Mittagsluft herumkamen. 
Das Schönste heute war die Abendmesse in der alten katholischen Kirche von Pyatigorsk, die den hier Ansässigen Jahrzehntelang nur als Philharmonie bekannt war und deshalb nur unter großen Schwierigkeiten wieder schrittweise von uns genutzt werden durfte. Heute haben wir das alleinige Nutzungsrecht. So ungefähr 12-15 Leute waren zur einfachen Messe am Freitagabend gekommen. Während wir beteten, standen mir die früheren Seelsorger der Gemeinde sehr lebendig vor Augen, besonders der schottische Pater Steve, aber auch Marek, Andrzej u.a. Es scheint häufiger zu werden, dass die (20) Jahre, die ich das Bistum inzwischen bereise, gegenwärtig werden, wenn ich Gemeinden erneut besuche. Hier in Pyatigorsk ist mein letzter offizieller Besuch (nicht auf der Durchreise) drei Jahre her. Im Anschluss an die Messe kam es zu einem für mich sehr interessanten Gespräch, dessen Thema aber nichts für's Internet ist. Und zum Ausklang des Tages setzten wir uns noch ein wenig zu Hause bei den Oblatenpatres Pawel und Wojciech zusammen.

Donnerstag, 17. Mai 2018

Fahrkarte

Das Bild ist schon etwas älter und hat seinen Platz heute im Blog gefunden, weil jenes Dorf, Kamenka, an der Strecke liegt, für die ich mir heute eine Fahrkarte gekauft habe: Im Juni fahre ich mit der Bahn nach Krasnodar, ohne Umsteigen, 22 Stunden. Auto oder fliegen erwiesen sich ausnahmsweise als ungünstiger, weil ich auf diese Weise ein wenig Zeit zum Ausruhen gewinne, zwischen Terminen und Reisen. Wer in den Ferienmonaten Bahn fahren will, muß rechtzeitig kaufen. Von Ende Mai bis Ende August sind die Fahrkarten ein paar Tage vor dem Reisedatum meistens schon ausverkauft. 
Die Kirche (Ruine) auf dem Bild wird in diesem Jahr 110 Jahre alt. Gebaut hat sie damals der russlanddeutsche Pater Alexander Staub. Er wurde 1870 in Marx (damals Katharinenstadt) geboren und starb 1961 in Karaganda.
Der Rest des heutigen Tages gehörte dem Büro. Was noch geblieben ist: Das Tasche Packen für morgen. Ich fliege zur Firmung und um die von unseren Oblatenpatres betreuten Gemeinden im Kaukasus zu besuchen: in Novopavlovsk, Kislovodsk und Pyatigorsk.
Kleiner Schreck am Abend: Zum 31.5. stellt unsere hier ansässige Fluggesellschaft Saratovairlines den Verkauf von Tickets ein. Die machen zu! Aber es klingt, als ob sie parallel unter anderem Namen wieder öffnen: "Ivolga" (deutsch: "Pirol". Der war einst das Markenzeichen des DDR-Benzins). Theoretisch kann sowas auch eine Methode der Ballastentledigung sein.