Samstag, 25. März 2017

9 Monate vor Weihnachten

Ein Zitat aus den ersten geistlichen Exerzitien meines Lebens, vor 37 Jahren im Magdeburger Norbertinum, ist hängen geblieben. Klaus Weyers, der die Tage begleitete, sprach wahrscheinlich über Berufung, als er aus Erhart Kästners "Zeltbuch von Tumilat" den Satz wiederholte: "Der Engel der Verkündigung kommt nie von da, wo wir ihm heimlich eine Tür offen ließen, damit er's ja finde." (Ich blätterte anschließend das ganze, zum Glück in unserer Seminarbibliothek vorhandene Buch durch, um mir den Wortlaut einzuprägen.) Pfarrer Weyers lenkte unsere Aufmerksamkeit zur Vertiefung des Gedankens noch darauf, dass der Engel Gabriel auf den meisten Abbildungen der "Verkündigung des Herrn" (heutiges Fest) von hinten oder seitlich an Maria heran tritt, was soviel wie "unerwartet" bedeuten soll. 
Die Worte, geschrieben in englischer Kriegsgefangenschaft in ägyptischer Wüste, berührten mich anders als andere und hatten dann scheinbar auch wirklich etwas mit meinem weiteren Weg zu tun: Ich hatte eine ganz andere Vorstellung vom Priestersein, als nach Russland zu gehen oder Bischof zu werden. "Der Engel der Verkündigung kommt nie von da, wo wir ihm heimlich eine Tür offen ließen, damit er's ja finde." Gott hat nicht in meine Träume eingewilligt, sondern - als er die Zeit für gekommen hielt - mir seine ans Herz gelegt. 
Heute habe ich eine Kapelle in meiner Saratower Wohnung im 6. Stock. Auf den Tabernakeltüren ist das erste Geheimnis vom Freudenreichen Rosenkranz dargestellt: der Engel der Verkündigung und Maria. 

Freitag, 24. März 2017

Heimkehrer ins Bistum Sankt Clemens

Vermutlich war ich der Erste wieder zu Hause. Samara, Taganrog, Wolgodonsk werden folgen. P. Wladimir nimmt den Fernbus von Moskau nach Elista. 20 Stunden?! Und P. Karl-Emmanuel, der Arme, hat seinen Anschlußflug in Moskau verpasst. Nun mußte er dort den Flughafen wechseln und fliegt erst nach Mitternacht in den Kaukasus zurück. Er war in den vergangenen Tagen unser Dolmetscher in Ars. 
Ebenfalls heute Nacht, ist die Pilger-Reise-Gruppe aus Guadalupe auf dem Heimweg über dem Atlantik. Die Saratower Teilnehmer erwarten wir morgen Abend zurück.
Ein modernes (und nicht mehr ganz modernes) Schutzengelbild, passend zu all dem, fand ich heute in der katholischen Kapelle am Brüsseler Flughafen. 
Das morgige Hochfest hat ja übrigens auch mit einem Engel zu tun. Richtig?

Und hier dann noch so eine Geschichte, weil sie ja doch auch Einfluss auf den Alltag (meinen zumindest) im Bistum Sankt Clemens haben wird: Link zum Domradio Köln.

Donnerstag, 23. März 2017

Abschluß in Ars

Nur fünf Priester sind im Bistum Sankt Clemens in Saratow inkardiniert. Das sind die, die keinen anderen Heimatbischof oder Ordensoberen haben, mit denen ich demzufolge auch leichter planen kann. Eben diese kleine Gruppe hatte ich für ein paar Tage eingeladen, mit mir nach Ars zu fahren, zum Schutzpatron der Priester weltweit, dem heiligen Johannes Maria Vianney. Richtiger gesagt: an seinen Wirkungsort und an sein Grab. Wir haben im Priesterseminar gewohnt. Heute abend schließt unser Besuch mit einer eucharistischen Anbetungsstunde ab, gemeinsam mit den hiesigen 35 Seminaristen, von denen einer aus unserem Bistum stammt. Morgen geht es über Lyon, Brüssel und Moskau nach Hause, damit alle am Sonntag wieder ihren Pflichten als Pfarrer nachkommen können. Ich hoffe, jedem haben die Tage ein wenig geholfen auszuruhen, aber auch sein Priestersein besser zu verstehen und gern zu leben.

Mittwoch, 22. März 2017

Ars - Eindrücke, Begegnungen, Zeit


Vielfältig, aber ohne Hast, ist das Programm, das unserer kleinen Priestergruppe aus Südrussland hier in Ars vorbereitet wurde. Heute zum Beispiel reichte es von einer gemeinsamen "Lectio Divina" (Bibelteilen, Schriftkreis u.ä. genannt) mit der Seminarleitung, bis hin zum Besuch des Geburtsortes des heiligen Johannes Maria Vianney und zum Abendgebet mit den Seminaristen in der Wallfahrtskirche. Daß wir hier den Frühling erleben, Vögel, Blumen etc. ist ein weiteres Geschenk. 


Dienstag, 21. März 2017

In Ars (Frankreich)

Nun bin ich mit meiner kleinen Priestergruppe in Ars (Frankreich) zu Gast. "Kommt mit an einen ruhigen Ort und ruht ein wenig aus", könnte man - Jesus zitierend - über die Tage schreiben. 

Trotz Stille gibt es natürlich auch Begegnungen. Wir wohnen bewußt im internationalen Priesterseminar am Ortsrand. Ein guter Platz, um über die eigene Berufung nachzudenken.  

Interessant, wie der "pastorale Ansatz" des vor 199 Jahren hier eingetroffenen Pfarrers Vianney zum heutigen Priestersein passen kann.

Montag, 20. März 2017

Bei "Renovabis"

Obwohl spontan, wurden wir heute vormittag sehr herzlich bei Renovabis in Freising empfangen. Ich hätte die Umsteigezeit am Flughafen verbracht, aber Pater Marcus schien sie ausreichend, um auf dem Freisinger Domberg "Hallo!" zu sagen. Im Dom konnten wir an seinem heutigen Namenstag für den einst hier zum Priester geweihten Joseph Ratzinger beten. Pfarrer Hartl, der neue Geschäftsführer und der von Anfang an dazugehörige Dr. Gerhard Albert luden uns zum gemeinsamen Mittagessen ein. Danke, Renovabis, der Solidaritätsaktion deutscher Katholiken mit den Menschen in Osteuropa! 
Übrigens sind wir einer weniger als geplant. Der Jüngste unserer Gruppe mußte aus gesundheitlichen Gründen zu Hause bleiben. 

Sonntag, 19. März 2017

Im Haus der Stille

Es waren nur ein paar Stunden, aber eben nicht irgendwo. Selten genug habe ich bisher von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, im Haus der Stille, dem wir den Namen "Getsemani" gaben, zur Ruhe zu kommen. Ohne Handy, ohne Fotoapparat (die Bilder stammen nicht von heute) u. dgl. nahm ich die vergangenen und die kommenden Tage ins stille Gebet. 
Zum Mittagessen besuchte ich dann die Schwestern in Marx. Und nun steht in Saratow schon die gepackte Tasche für die nächste Reise bereit. 19.10 Uhr fliege ich mit der letzten Maschine nach Moskau. Dort treffen wir uns dann morgen früh am Flughafen, sechs Priester aus meinem Bistum und ich. 
Zu den drei Bildern aus dem Haus der Stille: links - Mitten in einem Kreuz an der Kapellenwand: ein Stein aus dem Garten Getsemani in Jerusalem. Rechts oben - Haus und Grundstück verdanken wir in erster Linie dem Hiltruper Pater Dr. Heinrich Linnenbrink MSC (verst. 12.03.2014). Rechts unten - Der Tabernakel stammt aus dem ehemaligen Vorseminar für Spätberufene, Norbertinum, in Magdeburg. Wir verdanken ihn dem letzten Rektor des Hauses, Herrn Dieter Müller. Der Künstler Hans Adolf schuf ihn 1957. Generationen von Priesteramtskandidaten haben im Blick auf diesen Tabernakel gebetet. Dargestellt ist ein Moment aus dem Johannesevangelium (Joh 21,22). Wer möchte, kann ja mal die Bibel zur Hand nehmen und nachschauen, worum es da geht.

Und das gehört nun eigentlich gar nicht zur Überschrift: Ich bin wieder unterwegs. Und die anderen sechs Priester auch, jetzt oder morgen früh ganz zeitig müssen alle nach Moskau kommen, damit wir um 9.05 Uhr gemeinsam im Flugzeug nach München sitzen. Eine lange, bzw. kurze Nacht!
Morgen feiern wir in der katholischen Kirche den heiligen Josef. Eigentlich ist ja der "19." sein Tag. Aber weil heute Sonntag war, wurde das Heiligenfest verschoben. Das bedeutet auch, dass jene, die auf den Namen des Bräutigams der Gottesmutter getauft wurden, morgen Namenstag haben, nicht heute. Im Gegensatz zum Geburtstag, hat der Namenstag ja in erster Linie mit dem himmlischen Fürsprecher zu tun, dessen Fest die ganze Kirche feiert. 

Samstag, 18. März 2017

Zu schnell

Die Fastenzeit läßt sich nicht verschieben. Auf meinem Küchentisch, den ich wegen der Reisen im März leider nur selten zu sehen bekomme, steht ein sehr guter Kalender für diese Wochen. Er heißt, glaube ich: "40 Tage ohne sofort" und scheint sich zum Ziel gesetzt zu haben, die Übereiligen auszubremsen, z.B. mit einem Foto eines noch grünen Apfels und den Worten daneben: "Hetz mal den Apfel reif." 
Gut, eine Reise steht noch bevor, vorerst. Aber auch das soll mich nicht davon abhalten, noch einmal in Ruhe zurückzuschauen. Auch wenn es andere Dinge gab, die während unserer Vollversammlung (klingt gewaltig) der Bischofskonferenz in Sotschi von Bedeutung waren, und von denen sicher der eine ober andere an Russland Interessierte in den kommenden Tagen noch lesen oder hören wird, meine dankbarste Erinnerung ist die an die schon erwähnte Abendmesse des 16. März. Ich war wirklich lange nicht in Sotschi gewesen, aber die Leute haben es mir nicht übel genommen. Gab es doch diese und jene Verbindung in den letzten zwei Jahren! Es war wie nach Hause kommen. Und so ist es häufig, sicher auch in den anderen Bistümern hier bei uns. Sicher hat das Pfarrteam gewichtigen Anteil am Zusammenhalt der Gemeinde. Es ist aber auch etwas Kindliches in unseren Gläubigen, dass sie so herzlich und fröhlich macht. Da muss man nicht mitspielen, da kann man einfach, ganz einfach mit sein.

Zwischenstopp Saratow


Nun bin ich zwar heute mittag, kurz nach zwölf wieder in Saratow gelandet. Es steht aber noch eine Reise bevor. Schon morgen Abend geht es weiter. So habe ich im Galopp erledigt, was nicht bis Ende kommender Woche liegen bleiben sollte. Nach der Sitzung unserer Bischofskonferenz war da einiges, ... Jetzt aber gehe ich für einen halben Tag in ein stilles Wochenende. (-: 
Was es mit der Reise in den nächsten Tagen auf sich hat? Ich hatte schon lange unsere inkardinierten Priester, also die, die für immer zum Bistum Sankt Clemens gehören, eingeladen mit mir für ein paar Tage zum heiligen Johannes Maria Vianney, dem heiligen Pfarrer von Ars, zu fliegen. Mehr noch als der Gedanke einer Wallfahrt, spielte das Füreinander-Zeit-Haben dabei eine Rolle, und der - wenn man so sagen kann - "Geist von Ars". Nicht zufällig studiert gerade dort unser einziger Priesteramtskandidat. Jedesmal, wenn ich das Seminar und die Gemeinschaft des hl. Johannes Maria Vianney besuchte, erlebte ich ungezwungene Freundschaft und gegenseitige Achtung, mehr als an manch' anderem Ort. 

Freitag, 17. März 2017

Bischofskonferenz in der Pfarrgemeinde


"Wie hat Euer Pfarrer das gemacht, dass Ihr heute Abend so viele seid? Sagt mir nur nicht, dass das alle Tage so ist!" So begann meine Predigt für die ca. 100 katholischen Christen aus Sotschi, die gestern gekommen waren, um mit uns Bischöfen Eucharistie zu feiern. (Ich gehe davon aus, dass der Pfarrer am letzten Sonntag eine gute Vermeldung gemacht hat. Davon hängt viel bei uns ab.) Es war ein sehr schöner Gottesdienst mit anschließender Begegnung, direkt in der Kirche. Der Spaziergang ans Meer endete zwar pitschnaß vom Regen, aber "Sotschi" ohne am Meer gewesen zu sein,...? Heute tagen wir weiter.
16.20 Uhr: Mit dem Mittagessen schloss die Versammlung. Eine Presseinformation gibt es in Russisch auf der Seite unserer Bischofskonferenz. Wir kehren alle noch heute Abend nach Hause zurück, machen uns zumindest auf den Weg.