Freitag, 17. Februar 2017

Die Zeiten haben sich geändert


Beinahe hätte ich hier wieder ein Abendbild eingestellt. Aber ich befürchte, das macht manche Bloggäste melancholisch. Also, da hätte ich noch eins vom Wind auf der Wolga...
Heute habe ich fast niemanden getroffen, außer meinen Computer. Korrespondenz ging hin und her. Unvorstellbar, dass - als ich hier her kam - ein Brief nach Deutschland zwei bis drei Wochen unterwegs war, und die Antwort nochmal so viel; daß man Telefongespräche anmelden mußte, nach Deutschland drei Tage vorher. Man bezahlte und gab die Gesprächsdauer an, die man für übermorgen erbat. Sogar von Marx nach Saratow wartete man eine Stunde, bis die Leitung freigeschaltet wurde. Heute fährt man da schneller selbst mit dem Auto hin. 
"Schnelllebig" nennt man das. Es hat Einfluß auch auf unser Christsein hier an der Wolga. Einerseits spüren wir, wie nötig das Kontemplative im persönlichen Glauben ist, andererseits geht genau das verloren, wenn die Kommunikationsgewohnheiten in einen höheren Gang schalten. Und irgendwie scheinen wir es gar nicht selbst zu sein. Wir sind Passagiere unserer Zeit. - Scheinbar gehört genauso viel Entscheidung zum Christsein, wie in den Jahrzehnten der Verfolgung.