Mittwoch, 15. Februar 2017

Wie zu Zeiten, als ich Pfarrer war

Eingangstor zum Krankenhaus
Beim Schneeschaufeln auf der Straße war er umgefallen. Zwei Frauen aus einem benachbarten Lebensmittelladen hatten es bemerkt und riefen den Krankenwagen: Ein Mann unserer Pfarrgemeinde in Marx liegt auf der Intensivstation. Wir kennen uns gut, seit 25 Jahren. Es war abends kurz vor sechs, als ich davon hörte. Pater Bosco machte sich gerade mit Schwestern auf den Weg in eins der Dörfer im Rayon, zur Katechese. Darum fiel mir das Los zu, die Pause beim Einkehrtag im Kloster zu nutzen und zur Krankensalbung ins Kreiskrankenhaus zu fahren. Das tat ich gern. Weil heute Mittwoch ist, war die Gemeindemesse in Marx bereits am Morgen gewesen. Da war er noch ganz munter und hatte auch die heilige Kommunion empfangen. Jetzt lag der Vater von drei Söhnen, auf die Hilfe seiner Kinder angewiesen, in einem sauberen, warem Krankenzimmer. Es hat sich viel geändert, seit ich den letzten Besuch da im Kreiskrankenhaus gemacht hatte. Oder sollte die Intensivstation eine Ausnahme sein? Im Eingangsbereich saßen ungefähr 8-10 Polizisten, die Protokolle von betrunkenen Männern aufnahmen. Ich war schnell wieder zurück im Kloster. Dass ich unserem Kranken versprochen habe, für ihn zu beten, vergesse ich nicht. (20. Februar, 23.15 Uhr: Er ist vor einer Stunde gestorben.)